10 Jahre für das Pustertal
12.05.2026Regionalentwicklung passiert nicht auf Papier — sie passiert dort, wo Menschen zusammenkommen. Am 8. Mai 2026, rund um den Europatag, blickte das RMP mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern auf zehn bewegte Jahre zurück: auf Ideen, die Wirklichkeit wurden, auf Krisen, die überwunden wurden, und auf ein Team, das gewachsen ist.

Der Europatag als bewusste Wahl
Am 9. Mai 1950 hielt der französische Außenminister Robert Schuman jene historische Rede, die den Grundstein für die Europäische Union legte. Diese „Schuman-Erklärung" steht für Frieden und vertiefte Zusammenarbeit in Europa. Das RMP sieht sich als Teil dieser europäischen Idee und findet es umso wichtiger, den europäischen Gedanken zu leben und weiterzutragen.
Wie alles begann
Vor etwas mehr als zehn Jahren entstand im Pustertal der Wunsch, die Regionalentwicklung gemeinsam neu zu gestalten — nicht mehr nur im Tauferer Ahrntal und im oberen Pustertal, sondern erstmals für den gesamten Bezirk. Am 17. Dezember 2015 wurde die LAG Pustertal formell gegründet.
Gründungsvater Roland Griessmair schilderte, wie aus einem gemeinsamen Wunsch eine schlagkräftige Organisation wurde – und welche Überzeugungsarbeit es brauchte, um Menschen für die EU-Förderprogramme LEADER und Interreg CLLD zu begeistern.
„Dieser Wunsch ist Wirklichkeit geworden und aus zwei Feuerstellen (eine im Ahrntal und eine im Oberpustertal) ist nun ein Flächenbrand geworden.“
Roland Griessmair, Präsident der BZG von 2011-2020 und Gründungsvater des RMP
Aufbau und Festigung
Auf die Gründungsphase folgten Jahre des Aufbaus — mit dem ersten Präsidenten Helmuth Innerbichler, gefolgt von Manfred Valazza und seit 2019 mit Hannes Niederkofler. Die Struktur und das Team mussten aufgebaut und das Netzwerk gestärkt werden, um aus einer Idee eine funktionierende Organisation zu machen.
„Zehn Jahre — das sind nicht nur Programme und Förderperioden. Das sind Menschen, die etwas gewagt haben.“
Martin Huber, Vizepräsident des RMP seit Gründung des Vereins.
Die Hauptaufgabe des ersten Koordinators des RMP, Robert Alexander Steger, war die Sicherstellung der Finanzierung des neu gegründeten Vereins.
„Nur durch die enge Zusammenarbeit mit und dem Willen der Bezirksgemeinschaft Pustertal ist dies geglückt.“
Robert Alexander Steger, erster Koordinator des RMP 2016-2021
2019 übernahm Hannes Niederkofler das Präsidentenamt — und kurz darauf forderte die Corona-Pandemie den Verein heraus. Ab 2021 stand das RMP vorübergehend ohne hauptamtliche Koordination da, da Robert Alexander Steger das Präsidium der Bezirksgemeinschaft übernahm.
„Auch diese Phase wurde durch das gut eingespielte Team gut gemeistert. Ich hatte keine einzige schlaflose Nacht, das Vertrauen ins Team und das Wissen, dass sie es gut meistern, war immer da.“
Hannes Niederkofler, seit 2019 Präsident RMP
Shared Leadership als Pioniermodell
Als die Stelle der Koordination 2022 neu ausgeschrieben wurde, bewarben sich Caroline Leitner und Irmgard Hitthaler gemeinsam im sogenannten „Shared Leadership"-Modell: zwei erfahrene Mitarbeiterinnen, beide seit 2017 im RMP, beide aufgrund von Carearbeit in Teilzeit arbeitend und beide mit dem klaren Willen, eine spannende berufliche Verantwortung und die Carearbeit miteinander zu vereinbaren.
„Shared Leadership ist in ländlichen Regionen noch kein Standard — erst recht nicht für zwei Frauen in einer Führungsposition. Wir hoffen, damit ein kleines Zeichen zu setzen und aufzuzeigen, dass es funktioniert.“
Caroline Leitner und Irmgard Hitthaler, Koordinatorinnen im shared leadership seit 2022
Zahlen und Fakten
10 Jahre Regionalentwicklung im Pustertal, 140+ genehmigte und umgesetzte Projekte und ~10 Mio. Euro Fördermittel, die in den Bezirk geflossen sind. Neben der Kernaufgabe, der Umsetzung der EU-Förderprogramme LEADER und Interreg CLLD Dolomiti Live, hat das RMP in den vergangenen Jahren thematische Schwerpunkte in den Bereichen Klima, Bürger*innenbeteiligung und Willkommenskultur im Kontext des Arbeits- und Fachkräftewandels gesetzt. Carolina Chizzali, Projektmanagerin im Team, begleitet derzeit 10 Südtiroler Betriebe beim Aufbau eines Netzwerkes zum nachhaltigen betrieblichen Mobilitätsmanagement und Elisa Golser (Projektmanagerin), managet und entwickelt das Welcome Service Pustertal, ein Unterstützungsservice für neue und rückkehrende Arbeitskräfte im Ankommen.
Der Flächenbrand, den Roland Griessmair beschrieben hat, brennt weiter – und das Pustertal gestaltet seine Zukunft gemeinsam.